Dieses Interview schließt an das mit Ashton Savoy an.
C.D.: Wie ging es bei Dir weiter, nachdem Du Dich von Ashton Savoy's Band getrennt hattest, Katie?
Katie: Ich gründete meine eigene Band "The Uptighters"
zusammen mit ein paar Musikern aus der Gegend von Opalousas. Es waren junge
Typen, einer hieß Mitchel aber wurde "Lightnin'" genannt, ein Saxophonist
aus Lafayette namens Danny George, ein Bassist, der "Ice-Water" genannt
wurde, und Bläser aus verschiedenen Teilen des Landes. Wir nannten
uns "Katie Webster & The Uptighters" und spielten überall in Louisiana.
Bis eines Tages Otis Redding nach Lake Charles kam. Wir spielten zu der
Zeit regelmäßig im Bamboo-Club dort, sechs Tage die Woche. Um
die Weihnachtszeit, als wir ein paar Tage frei haben sollten, fragte mich
Ray, der Besitzer, ob ich ihm für die Tage nicht eine Ersatzband besorgen
könnte. Im Spaß sagte ich: "warum nimmst Du nicht einfach Otis
Redding?" Der war gerade sehr populär zu der Zeit. Ray lachte, aber
glaubte nicht wirklich, dass er ihn kriegen könnte. Ich entdeckte
dann aber auf einem Plakat die Kontaktadresse des Managements, und Ray
rief Phil Walden, den Manager, an. Dort erfuhr er, dass Otis tatsächlich
gerade zwei Auftritte zu Weihnachten abgesagt wurden, weil einem Club eine
Doppelbuchung passiert war. Also konnte er Otis tatsächlich für
zwei Tage buchen. Und da passierte es, dass mich Otis Redding in seine
Band holte, als ich im Bamboo-Club für ihn den Abend eröffnete.
Er hat mich vom Fleck weg engagiert, als er mich hörte. Ich tourte
dann mit ihm und seiner Band dreieinhalb Jahre lang, bis zu seinem Flugzeugabsturz.
Danach kehrte ich zurück, und gründete wieder eine eigene
Band "A Muther-Fayu". Ich hatte ein paar örtliche Musiker, einer nannte
sich "Skipper", er ist schon gestorben, ein anderer hieß Chris Raw,
einer, der jetzt hier in Texas lebt, namens C.C. Carson. Ein junger Typ
namens Classie Ballou Jr. spielte Bass, und Sylvester Wetherows, der jetzt
auch hier lebt, war an der Gitarre, und ich war am Klavier. Das war meine
Band. Wir spielten etliche Jahre zusammen, bis ich mich entschloß,
nach Californien zu gehen, um meine kranken Eltern zu pflegen. Dort traf
ich dann Leute wie Jimmy McCracklin, Lowell Fulson und andere örtliche
Musiker wie Buzz Scaggs und Icecube Slim. Die stellten für mich eine
Band zusammen, damit ich auch in der Gegend von San Francisco auftreten
konnte. Wir spielten dann in allen Clubs dort.
C.D.: Wann war das ?
Katie: Von 1972 bis ca. 1979. Meine Eltern starben, meine Mutter '78, mein Vater '79. Und 1980 erhielt ich dann einen Brief von Paul Schepers in Deutschland. Er bot mir eine Tour an, und schickte mir eine Liste der interessierten Clubs. Also besorgte ich mir einen Reisepass, und 1981 war es dann so weit.
C.D.: Das war Dein erster Auslandsaufenthalt?
Katie: Ja, der erste Auftritt war in Bonn. Paul Schepers hatte das alles organisiert. Ich sollte sieben Auftritte haben. Aber als ich dort ankam, hatte er bereits weitere zwei Wochen für mich gebucht, also waren es insgesamt 3 Wochen. Als die fast zu Ende waren, hatte Siegi Christmann inzwischen noch weitere Anfragen erhalten. Alles in allem war ich dann fast 8 Wochen dort. Das war meine erste Auslandstournee 1981, und ich bin regelmäßig in Europa auf Tour gewesen, bis zu meinem Schlaganfall 1993.
C.D.: Wie ist das passiert?
Katie: Nun, es begann schon in Deutschland, aber der richtige Schlaganfall passierte dann in Griechenland. Ich hatte versucht weiterzuspielen, als die Beschwerden begannen. Ich wollte die Tour noch zu Ende spielen, aber das war nicht möglich. Ich mußt in Griechenland für zehn Tage ins Spital, dann haben sie mich nach USA überstellt, wo ich nochmals zehn Tage im Spital war. Und, Gott sei Dank, mußte ich seither wegen dieses Problems nicht mehr ins Krankenhaus. Ich bin seither mit der linken Hand etwas eingeschränkt. Aber zum Glück hatte ich keine Lähmung im Gesicht, oder anderen Körperteilen. Die rechte Hand ist auch in Ordnung, nur die linke ist etwas gelähmt.
C.D.: Du hattest in den Achtzigerjahren einen wirklich aufreibenden Tourneeplan. Du hast mir einmal erzählt, Du warst zu der Zeit die amerikanische Künstlerin mit den meisten Europatourneen. Glaubst Du, dass es für Frauen eine besondere Belastung ist, im professionellen Musikgeschäft zu sein, mit langen Tourneen, wenn man sich gleichzeitig auch noch um Kinder zu Hause kümmern muß?
Katie: Die Kinder waren nicht das Problem. Ich hatte unheilbare
Krankheiten. Ich bin Diabetikerin und habe zu hohen Blutdruck. Ich habe
nicht richtig gegessen, und mich nicht um meine Gesundheit gekümmert,
das war das Hauptproblem. Wenn man Zuckerkrank ist, muß man pünktlich
essen, und mehr auf sich schauen. Man kann nicht bis zwei Uhr Nachmittag
schlafen, ohne zu essen, dann aufstehen, zum nächsten Schnellimbiß
laufen, und ein Hühnersandwich mit fettigen Pommes Frites runterschlingen,
und wieder schlafen gehen. Am Abend holst du Dir dann einen Hamburger und
trinkst irgendein süßes Zeug dazu oder Cola. So funktioniert
das nicht. Du mußt pünktlich Deine Medizin nehmen. Wenn es heißt
zweimal täglich, dann mußt Du das tun, egal wie es Dir geht.
Du kannst nicht heute was nehmen, drei Tage aussetzten, und dann wieder
was nehmen. Du wirst dann benommen. Sobald Du das merkst, mußt Du
Deine Zuckerwerte prüfen. Und das hab ich alles nicht gemacht. Ich
hab nicht einmal meine Blut-Meßgeräte mitgenommen auf Tournee.
Hatte nur meine Medizin mit, aber ich vergaß sie oft zu nehmen, dann
nahm ich dafür am nächsten Tag zwei Tabletten. So kann man das
natürlich nicht machen, aber so machte ich es. Ich war nur auf action
aus. Du weißt, was bei mir auf der Bühne los war. Ich wirbelte
herum, tanzte, spielte das Klavier mit meinem Hintern, mit den Ellbogen
und den Knien. Machte eine Show, und wollte einfach Spass haben. Aber das
ist vorbei bei mir. Ich nehme jetzt meine Medizin pünktlich, esse
anständig. Die Zeiten sind vorbei.
In den 80er Jahren kam ich dann auch bei Alligator-Records unter Vertrag,
und nahm mit Leuten wie Bonnie Raitt, B.B. King, Kim Wilson, Robert Cray,
C.J. Chenier und Lonnie Brooks auf.
C.D.: Was hielt eigentlich Deine Familie davon, dass Du die ganze Zeit auf Tournee warst?
Katie: Die haben sich für mich gefreut. Ich hatte immer volle Unterstützung, wenn es um die Musik ging.
C.D.: Spielt eine Deiner drei Töchter auch ein Instrument?
Katie: Nein, die interessieren sich für andere Sachen.
C.D.: Tut Dir das leid? Hättest Du gerne gehabt, dass sie in Deine Fußstapfen treten?
Katie: Nein nein. Ich bin froh, dass sie andere Sachen
machen. Das ist ein zu hartes Leben. Mir ist lieber, sie sind Lehrer, wie
meine Tochter Betty. Ich will nicht, dass sie spielen, aber sie sollen
die Musik schon genießen, und sie lieben den Blues.